Unzählbarkeiten
30. Dezember 2011
Lückentexte eines Lebens
wie
Fäden ziehende Stoffe
ein Mensch fünf Uhren vier Zeiten
Verwirrung eines Einzigen aber tausendmal
betrübt wie niemals
ein Einziger
ungreifbar nah
unendlich millionenfach
ein immer nur
einziges Mal
im Entkommen genommen
durch einen Stein
im Versuchen gestoppt
durch die Zeit
Sterne zählen in den Bergen
doppelt
Luft holen auf den Flüssen
dreimal
„Wir sehen mit unseren Herzen, das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar“
Das ganze Leben besteht aus Zeichen. In manchen Nächten können wir nicht einschlafen wegen der vielen Träume in den Augen. Schlaflose Träume, in Gedanken reisen. Durch eine ureigene Welt, von der wir nur Bruchstücke mit allen anderen Teilen. Von denen vielleicht und nur wenn wir es wollen, ein oder zwei diese eine eigene Landschaft fast so gut kennen wie wir selbst, und umgekehrt. Wir tun im Leben so viele Dinge aus Überzeugung, ob sie gut sind oder schlecht. Das Meiste von all dem stört uns selbst am wenigsten.
In jenen Nächten der schlaflosen Träumerei gibt es kein Loslassen, nur Mitfliegen. Erinnerungen kreisen umher, erzählen Geschichten in denen Persönlichkeiten der Kindheit auftauchen, in denen Klippensprünge und Regenbogenreisen der Jugend eine Melodie ergeben. Zeltplätze am Meer, Traumstrände am Ozean, Sommerferien an versteckten Waldseen. Holz holen später Schlittschuh laufen. Alles erobern, jeden Weg kennen und hinter jede Tür wenigstens ein einziges mal schauen wollen. Vielleicht ein Leben lang.

