„…wer hat den Kinder die Zukunft genommen? Ich nicht, rufts aus dem Parlament“

„Er  wusste nicht mehr genau, wann das alles begonnen hatte. Anfangs hatte er sich nichts dabei gedacht, als sie ihn immer beim Einkaufen dabei haben wollte. Sie könne allein nicht so viel Zeug schleppen, hatte sie erklärt, aber dann sollte er auch mit zum Friseur, in die Gärtnerei, zu ihrer Frauenärztin. Sie ins Schwimmbad zu begleiten war ihm unglaublich peinlich gewesen, seine Freunde hatten gesehen, wie er ihr den Rücken eincremte, und nicht nur das, sie hatte geweint und ihre Schminke war verlaufen. […]

Natürlich würde sie das neu eröffnete Delikatessengeschäft auch ohne ihn finden. Aber seine Mutter brauchte  ihn, weil sie eine Phobie hatte. Erst vor wenigen Wochen hatte er eine Sendung über Phobien gesehen. Angst vor Spinnen gab es, vor Dunkelheit, vor Hühnern, Männern, Frauen, es gab sogar die Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt, oder die Angst vor Deutschland, die sogenannte Germanophobie – er  hatte darüber gelacht, bis ihm mehr oder weniger das Lachen im Halse stecken geblieben war: Seine Mutter hatte Angst, das Haus allein zu verlassen.“

Aus: „Amateure“ Angelika Klüssendorf, Fischer, Frankfurt 2009

 

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