Immer wenn es regnet #3

w

So, wie Kaffee schmeckt, der mit zu kaltem Wasser aufgegossen wurde, so fühlt sich das an. Leben. Zeile für Zeile. Teilweise. Mit einwenig mehr von allem, ohne einwenig zu viel für genau das. Alles. Es muss alles stimmen. Herz. Abstand halten. Nicht zu nah ran. Nach Nähe folgt unweigerlich Distanz. Kopf. Ohne Entfernung ist fast nichts zu sehen. Dort hinten. Mein Horizont, die Angst, vielleicht irgendjemands Angst, jedoch nicht meine. Und niemand kann etwas so sagen, wie er es meint. Jeder sagt alles immer nur so, wie er es sagt. Die Gewalt verschiedener Worte, neben einander, aufeinander gefolgt, sehr schnell, zu sehr, zwischen Zeilen, zwischen amoklaufenden Gefühlen auf der Zunge des Gegenübers. Im Fahrtwind wird der letzte Teil der Meinung verweht. Parallelen der Erinnerung. Städte und Essen. Du und ich. Techno und Soul. Kombinationslyrik. An der Oberfläche, unter meiner Haut. Und nie wieder werden wir etwas verlieren, nur um es dann wiederzufinden, und alles, was irgendwie zu kompliziert ist, versteckt eine Wahrheit, die sich nicht traut. Wahrheiten ohne Mut. Das eine ohne das andere ist das Andere ohne das Eine, ist eine Unendlichkeit, die zerreist, sich im schwarzen Morast der Wälder ergibt, zu Nebel aufsteigt, der nichts unberührt lässt. Verschlucken und atmen. Du und ich.
Und am Ende bleibt die Zeit. Das Licht und die Zeit. Du und ich. Wo es still ist, wo nichts ist. Stille, Leere am Horizont. Erst dann kann es wieder passieren. Erst dann. In irgendeiner Form hätte es Platz gebraucht. Silhouetten aus Leben. Sie sehen aus wie ihr Vater. Vielen Dank. Auf wieder sehenIrgendwie ergibt sich das nicht in diesem Sinne, sondern im Herz. Das ist so komisch, wie lose Takte im Regen hören.
So, wie Tee schmeckt, den unsere Mutter, von Montag bis Freitag, auf der Gasheizung in der Küche, warmhielt. Fencheltee zum Frühstück. Und ich höre noch immer das igitt und die Grübeleien darüber, ob Mutter diesen Tee jemals selbst trinken würde.
So füllt sich das alles. Zeile für Zeile.
Manchmal könnte man sich wünschen, die Welt würde nur noch mit Zetteln kommunizieren.

Noch auf den nassen Straßen dieser Geschichte laufend versuche ich, es nicht zu versuchen. Im Dunkeln, im heimlichen Nichtlicht, zufällig getrocknete Apfelschalen, als Gewürz für das, was gleich weich gekocht wird. Das hat keinen Namen, weil es keinen Menschen interessiert. Wortfetzen, Satzstücke, Einzelheiten. Nicht der Faden, die Perlen machen den Glanz. Das Leben als Kette. Eine Gleichung auf einer Lichtung, nur als romantisches Bild. Nur deshalb, weil es sich schön anhört. Nur deshalb stehen wir manchmal, und viel zu selten, still. Was dort steht. Immer nur ein Teil der Gleichung. Nur vor leerem Grund kann etwas zu sehen sein. Alles braucht Platz und Licht und Entfernung und wieder Platz zwischen Allem und Nähe und Dunkelheit.

#1     #2     #4

Advertisements

5 Gedanken zu “Immer wenn es regnet #3

  1. Pingback: ##006 | an jedem tag. anna.

  2. Pingback: Immer wenn es regnet. #4 | Lebensprosa. anna

  3. Pingback: Immer wenn es regnet. #1 | Lebensprosa. anna

  4. Pingback: Immer wenn es regnet #5 | Lebensprosa. anna

  5. Pingback: immer wenn es regnet #6 | Lebensprosa. anna

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s