Ich würde fragen,

ob alles nachzuholen ginge. Ob dies tatsächlich eine Möglichkeit wäre, um wieder zu leben. Die verpassten Momente, auf ausgelassenen Partys, wegen Verpflichtungen, gegenüber anderen. Und dann würde ich es so aussehen lassen, als würde etwas in mir passiert sein, dass mit all dem nichts zu tun hat und gerade deshalb etwas damit zu tun haben müsste. Ureigene Abwesenheitsnotizen. Hier, aber niemals da, wo man hingehört, jedenfalls laut Gefühl. Das Gefühl haben ständig am richtigen Ort zu sein, der jedoch nicht ausreicht, um der richtige Platz zu sein/werden. Überall kann man hinschauen, fast die ganze Welt sichtbar von einem Stuhl aus, mit Blick zur Seite, in den Garten und wieder nach vorn, auf die ganze verdammte Welt.

schreiben oder warten
und wäre das nicht so,
gäbe es einen anderen grund
kleine vögel tanzen in den sträuchern gegenüber,
so, wie an all den anderen tagen,
sie wissen es nur nicht
können vögel dinge ahnen,
frag ich mich.
auseinanderwelt

Dein immer noch. Und ich füge Gedanken hinzu. Wie Seifenblasen, hast du gesagt. Damals. Als wir die lange Straße lang liefen. Der Blumenladen mit dem vermoosten Schaufenster, und dann der Kuchenladen, in dem es auch Zigaretten und Tabak gab, zugewachsen, andere Welt. Verdammt. Ich und immer wieder Dinge, die nicht passten.

Und nun ist es so offensichtlich und es fehlte doch nichts mehr, als das uns und wir.
auseinandergetrieben.
wie es schlägt halt
schreib dich an mir vorbei
dann ich geh’ vorüber,
schreib dich an mir vorbei,
mit nichts im blick.
niemand ergreift meine hand,
befehle aus dem herz,
durchparieren während du feststellst,
wann es vorbei sein wird.

dann seh’ ich hinüber,
schreib mich an dir vorbei
mit nichts im blick.
jemand ergreift sein händchen,
gerhorsames herz,
liebte als du einstellst
wie es sein soll.
stille in zeitlupe.
aktion und reaktion, wie aufgelöst,
so lange bis nichts mehr ist.
kein bisschen müdigkeit, nur licht.
was langsam zurück kommt.
was bleibt und trotzdem geht.
tage zerfließen in jahre. ein leben.

und
alles scheint verschoben. der weg wirkt verrückt
es geht um uns, um ein paar millimeter
kalte raue finger tippen
„schau mal der mond“, ein kurzes zögern, gesendet
sich selbst verlieren, ein gutes recht
dem anfang ein ende vorgesetzt
sogar der wind roch heute anders
als wäre er zu schnell,
oder als wäre ich zu langsam
der himmel wäre dann schön gewesen,
manchmal geht einfach nichts,
auch nicht das einfache.
schönheit ist meistens banal.

Und dann wieder nur momente
das kalte bett in der sonne. ein streifen aus licht, ein bisschen staub. in den nächsten stunden wird es schon nicht mehr gewesen sein, als diese eine zeile. ohne mich, ohne uns. kein zauber, keine momente ohne erklärungen, keine teilchen von kopf zu kopf, ohne materie. warum sind wir so. warum reicht manchmal ein verirrtes wort. und obwohl man es besser weiß. oder doch nicht, sondern genau weil man es weiß. wegschieben. und andersherum, die arme ausgebreitet, ohne sieb und filter. das herz im finstern, blind sich an die dunkelheit gewöhnend. und stille. um ein herz herum. es genügt ein funken und alles springt, obwohl du weißt, dass das nur momente sind. es könnte doch noch da sein, oder wieder. alles frei geschoben und nichts ist zusehen.

und wir wollten doch.
was hier nicht her gehört. durch den eiskakao gezogen, beim trinken die lippen ganz kalt gespült. es erinnert dich. aufhören zu denken. durch meine augen fließt verirrtes material, in den kopf hinein. tagelang sichten, denken, fühlen. verzweifeln. aufhören zu denken. wieder anfangen. uns allen ist heimlich unheimlich geworden. übelkeit schleicht sich, durch wenig schlaf mit vielen worten, auf wach träumenden zungen, die wie betäubungsmittel überreden. was um den verstand bringt, was ausgehalten werden muss. köpfe voller angst frieren herzen ein.

hier
mitten in einem dezember
fast ohne etwas zu ahnen wieder angekommen
ohne genau zu wissen was gewusst wurde
mit dem schnee von gestern im nacken
flure voll tropfen
pfützen voller regenbogenwasser
wenn dinge mit menschen verschwinden
unter anderen vergehen
diese einen momente nur beim zurückschauen
in all den augenblicken lag ein zauber
mit all der zeit vergeht ein bisschen
durch all die jahre bleibt etwas
hier unter uns

2015_05 v3 SDIM5430

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